Ungeliebte Verkehrsteilnehmer

Die Sonne scheint, die Straßen sind frei, der Motor brummt. Mit Beginn des Frühlings macht es plötzlich wieder richtig Spaß, Auto zu fahren. Die Stimmung ist kurz vor dem Siedepunkt, Zufriedenheit mit dem eigenen Leben stellt sich ein, alle Alltagssorgen sind vergessen. Plötzlich taucht im Rückspiegel ein Motorrad auf. Mitten in der Kurve überholt es, weil Gegenverkehr kommt, muss man selbst hart auf die Bremse treten. Von einer Sekunde zur nächsten befindet man sich wieder mitten in der Realität. Und weiß ganz genau, was man in den vergangenen Wintermonaten nicht vermisst hat.
Natürlich kann man nicht alle Motorradfahrer über einen Kamm scheren. Es sind wenige schwarze Schafe, die das Ansehen aller Biker in der öffentlichen Meinung verderben. Aber diese wenigen Personen reichen aus, dass sich viele Autofahrer den Winter zurück wünschen. Lieber glatte Straßen und Regen als diese Verrückten auf der Straße, denkt sich ein Teil. Und tatsächlich sorgen Motorradfahrer immer wieder für gefährliche Situationen. Durch ihr rücksichtsloses Verhalten bringen sie nicht nur sich, sondern auch alle anderen in Gefahr. Diejenigen, die selbst Motorrad fahren, wollen davon natürlich nichts wissen. Im Gegenteil: Sie planen schon den Abschluss der nächsten Motorradfinanzierung, um demnächst mit einer noch schnelleren Maschine unterwegs sein zu können. Während der Rest der Bevölkerung die Möglichkeit, einen Motorradkredit abschließen zu können, am liebsten verbieten würde, sind sie mit den guten Prozentsätzen zufrieden. Die Kritiker haben keine Chance, aktiv zu werden. Sie müssen sich mit den vielen Motorradfahrern arrangieren. Durchatmen können sie erst, wenn der nächste Winter vor der Tür steht.

Autor ist Steffen Ehrlich

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