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Philipp Otto Runge: “Die Hülsenbeckschen Kinder”. Eine Interpretation

5th June 2009

Philipp Otto Runge: “Die Hülsenbeckschen Kinder”. Eine Interpretation

veroeffentlicht in Allgemein, Hobby |

Neben dem berühmteren Caspar David Friedrich (*1774, 1840) gilt Philipp Otto Runge (*1777, 1810) als größter Maler der deutschen Frühromantik. Obwohl vielseitiger, konnte Runge nie aus dem großen Schatten Friedrichs treten, vielleicht auch deshalb, weil viele seiner Werke schwerer zugänglich sind.

 Als berühmtestes Werk von Philipp Otto Runge gilt das Ölgemälde Die Hülsenbeckschen Kinder, entstanden von 1805 bis 1806. Dargestellt sind drei Kinder von Friedrich August Hülsenbeck, einem Geschäftspartner von Daniel Runge, dem älteren Bruder und lebenslangen Gönner und Förderer von Philipp Otto Runge. Das Ambiente des Bildes bildet der Garten des Hülsenbeckschen Anwesens in einem Hamburger Vorort.

 

Die englische Mode sentimentaler Kinderbildnisse erfreute sich auch im stets anglophilen Hamburg großer Beliebtheit, doch auf den ersten Blick wird deutlich, dass sich Philipp Otto Runge gerade nicht in diese teils kitschige ästhetische Strömung einordnen lässt: Der dreijährige Friedrich Hülsenbeck sitzt mit weit aufgerissenen Augen in einem Holzwagen, dessen Deichsel von den zwei Jahre älteren Bruder Friedrich geführt wird, der mit ernstem Gesichtsausdruck eine Peitsche schwingt. Mit fürsorglicher Mimik achtet die größere Schwester Maria auf ihre beiden Brüder. Das Bild zeigt kein Kinderidyll, und die Umgebung stellt keinen locus amoenus dar. Vielmehr ist das Gemälde eine genaue Studie kindlicher Entwicklung, meisterhaft plastisch und genau gestaltet. Die Hülsenbeckschen Kinder von Philipp Otto Runge zeigen keine naiv verklärte Sicht der Kindheit, sondern sich natürlich und frei entwickelnde Kinder, fernab von vorpädagogisch-strengen Erziehungsidealen, wie sie bis ins 18. Jahrhundert hinein gültig waren.

 

Hamburg ist immer eine Reise wert, und wenn Sie das nächste Mal in Hamburg sein wollten, versäumen Sie nicht, sich Die Hülsenbeckschen Kinder von Philipp Otto Runge in der Kunsthalle anzusehen. Es lohnt sich.

Autor ist Daniela Clausen


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Dieser Artikel wurde gepostet am Friday, 5 June, 2009 um 08:32
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