Marokkos wechselhafte Geschichte
Wer von der Südspitze Spaniens über die Meerenge von Gibraltar hinüber nach Afrika, genauer zur Küste Marokkos, blickt, sieht ein Land mit einer äußerst wechselhaften Geschichte vor sich. Seit Jahrtausenden besiedelten Berberstämme das Land, und schon in der Antike errichteten sie das Königreich Mauretanien. Als die Römer Nordafrika eroberten und dabei ihren wichtigsten Feind, die Stadt Karthago im heutigen Tunesien, vernichteten, fiel nebenbei auch Mauretanien in ihre Hände und wurde zu einer Provinz des Römischen Reiches. Doch auch das Römische Reich hatte nicht ewig Bestand. Und so fielen von Norden her im fünften Jahrhundert unserer Zeitrechnung Vandalen in Afrika ein. Steht ihr Name heute auch für blinde Zerstörungswut, so handelte es sich in Wirklichkeit doch um ein germanisches Volk, dem es immerhin gelang, für mehr als hundert Jahre ein Königreich auf dem fremden Kontinent zu errichten. Das aus dem Oströmischen Reich hervorgegangene Byzanz machte der Vandalenherrschaft in Afrika ein Ende. Allerdings bestand auch die byzantinische Vorherrschaft über das heutige Marokko nicht länger als die germanische. Schon ab dem Jahr 640, keine zehn Jahre nach dem Tod Mohammeds, drangen islamische Araber in Nordwestafrika ein. Bis zum Jahr 708 war die islamische Eroberung des Landes abgeschlossen, auch die Berber konvertierten zu der neuen Religion, ohne jedoch ihre eigene Sprache und Kultur aufzugeben. Als die Muslime von dort aus auch zur Eroberung Europas ansetzten, wurde Marokko Teil eines Reiches, das sich bis ins heutige Spanien und Portugal erstreckte. Im Gegenzug errichteten allerdings die Spanier und Portugiesen (die wiederholt das spätere Casablanca dem Erdboden gleichmachten) Stützpunkte an der marokkanischen Küste. In den folgenden Jahrhunderten kämpften auch die Engländer und Franzosen um Einfluss, Marokko wurde französisches Protektorat. Heute ist Marokko eine unabhängige, parlamentarische Monarchie: An der Spitze des Staates steht ein König, die politische Macht liegt jedoch – wie in den europäischen Ländern – beim gewählten Parlament.
Autor ist Andreas Mettler